Selbstverständnis

Selbstverständnis der PMK
Stand Mai 2026

1. Historischer Referenzrahmen
Die PMK ist aus einem Akt der Selbstermächtigung sowie aus einem Mangel heraus entstanden: dem Mangel an Räumen, Strukturen und Möglichkeiten für freie, selbstorganisierte Kulturarbeit in Innsbruck. Seit ihrer Gründung Anfang der 2000er-Jahre versteht sie sich nicht nur als Ort, sondern als Gedankenraum, Möglichkeitsraum und kollektive Trägerstruktur. Ihre Geschichte ist geprägt von gemeinschaftlichen Überlegungen, mobilen Formaten, der Aneignung urbaner Räume und dem stetigen Versuch, jenseits institutioneller Routinen und marktlogischer Verwertungsmechanismen kulturelle Praxis zu ermöglichen.

Gerade dadurch entstanden und entstehen in der PMK vergleichsweise niederschwellige Möglichkeiten, selbst in das aktive Organisieren, Veranstalten und Mitgestalten kultureller Praxis einzutauchen – mit überschaubarem individuellem Risiko, aber mit einer tragfähigen kollektiven Struktur im Hintergrund. Diese Form der Weitergabe von Wissen, Erfahrung und Verantwortung versteht die PMK nicht als Nachwuchsarbeit im belehrenden Sinn, sondern als Einladung zur eigenständigen Praxis.

Diese Herkunft wirkt – als Referenz für eine Haltung, die auf Autonomie, Solidarität und langfristige Kontinuität setzt – bis heute nach.

2. Praxis und Haltung (Ausrichtung)
Die PMK versteht sich als Plattform für selbstorganisierte, gemeinnützige Kulturinitiativen, die gemeinsam Verantwortung für Inhalte, Strukturen und Rahmenbedingungen übernehmen. Sie ist nicht die Summe einzelner Veranstaltungen, sondern der Rahmen, in dem unterschiedliche kulturelle Praktiken nebeneinander, miteinander und im Widerspruch zueinander existieren können.

Kunst und Kultur werden dabei nicht als bloße Unterhaltung oder Standortfaktor begriffen, sondern als gesellschaftliche Praxis, die Fragen stellt, Widersprüche sichtbar macht und alternative Perspektiven eröffnet. Die PMK bezieht daraus einen klaren kulturpolitischen Anspruch: Sie positioniert sich für unterrepräsentierte Inhalte, experimentelle Formate und Arbeitsweisen, die im kommerziellen oder institutionell dominierten Kulturbetrieb oft keinen Platz finden.

Diese Haltung ist kein Zusatz zum Betrieb, sondern Grundlage aller Entscheidungen.

3. Organisationslogik und kollektive Verantwortung
Die PMK ist eine kollektiv organisierte Struktur. Zentrale Entscheidungen werden gemeinschaftlich getroffen; Verantwortung ist geteilt und bewusst nicht an einzelne Personen oder Instanzen delegiert. Die Geschäftsführung übernimmt koordinierende, ermöglichende und rechtliche Aufgaben, agiert jedoch im Rahmen der kollektiv entwickelten Leitlinien und Beschlüsse.

Es gibt in der PMK keine zentrale inhaltliche Steuerung, kein kuratiertes Gesamtprogramm und keine einheitliche inhaltliche Linie. Stattdessen entsteht das Programm organisch aus den Aktivitäten der Mitgliedsvereine. Diese Vielfalt ist kein Nebeneffekt, sondern Ausdruck des Selbstverständnisses der PMK.

Gleichzeitig bedeutet kollektive Organisation nicht Beliebigkeit: Die gemeinsame Struktur erfordert Verbindlichkeit, aktive Mitwirkung und die Bereitschaft, Verantwortung über das eigene Projekt hinaus zu übernehmen.

4. Verhältnis zu den Mitgliedsvereinen
Die PMK ist nicht zwingend identisch mit den Positionen, Programmen oder Haltungen einzelner Mitgliedsvereine. Sie lebt von innerer Vielfalt, unterschiedlichen Zugängen und auch von produktiven Spannungen. Diese Pluralität ist ausdrücklich gewollt.

Zugleich verbindet die Mitgliedsvereine ein gemeinsamer kulturpolitischer Rahmen. Dieser zeigt sich in der Ablehnung rein kommerzieller Logiken, im Bekenntnis zu Gemeinnützigkeit, in solidarischer Zusammenarbeit sowie im Anspruch, möglichst diskriminierungsfreie und sichere Räume aktiv herzustellen.

Mitgliedschaft in der PMK bedeutet daher nicht nur Raumnutzung, sondern aktive Beteiligung an einer gemeinsamen Struktur: an Entscheidungsprozessen, Reflexionen, Konflikten und Weiterentwicklungen. Die PMK versteht sich als lernendes System, das von der kontinuierlichen Auseinandersetzung seiner Mitglieder lebt.

5. Kooperationen und externe Formate
Die PMK ist regelmäßig in Kooperationen und externe Formate eingebunden – lokal, regional und darüber hinaus. Diese Beteiligungen sind Teil ihrer kulturpolitischen Praxis, folgen jedoch klaren Bedingungen.

Eine Mitwirkung der PMK über das eigene Haus hinaus erfolgt ausschließlich auf Basis inhaltlicher Augenhöhe. Das bedeutet:

Die PMK bringt sich dort ein, wo ihre Perspektiven, Arbeitsweisen und inhaltlichen Schwerpunkte nicht nur geduldet, sondern als gleichwertig anerkannt sind. Sichtbarkeit als PMK ist kein Selbstzweck, sondern an inhaltliche Verantwortung geknüpft.

Wo diese Augenhöhe nicht gegeben ist, versteht sich die PMK nicht als ausführender Dienstleister, Feigenblatt oder bloßer Programmlieferant. Kooperationen werden nicht nach Reichweite oder Symbolik bewertet, sondern danach, ob sie den eigenen Grundsätzen entsprechen und einen realen inhaltlichen Mehrwert ermöglichen.

6. Abgrenzungen
Zur Klarheit des Selbstverständnisses gehört auch die bewusste Abgrenzung. Die PMK ist ausdrücklich:

kein kommerzieller Eventbetrieb

keine Booking-Agentur

keine Marketingplattform für Stadt- oder Tourismusinteressen

kein neutraler Raum ohne Haltung

kein Dienstleister zur Umsetzung fremder Konzepte ohne Mitgestaltung

Diese Abgrenzungen dienen nicht der Abschottung, sondern der Sicherung der eigenen Arbeitsweise und Integrität.

7. Verantwortung, Arbeitskultur und sicherere Räume
Die PMK versteht Verantwortung als integralen Bestandteil ihrer kulturellen Praxis – als Haus, als Verein und als gemeinsame Struktur ihrer Mitgliedsvereine. Gemeint ist damit nicht, dass jede einzelne Position oder jedes Programm eines Mitgliedsvereins automatisch für die gesamte PMK spricht. Gemeint ist, dass alle, die diesen Raum nutzen und mitgestalten, Verantwortung für die Bedingungen übernehmen, unter denen Kulturarbeit hier stattfindet.

Dazu zählt die aktive Auseinandersetzung mit Machtverhältnissen, Diskriminierung und strukturellen Ausschlüssen innerhalb der eigenen Arbeits- und Veranstaltungszusammenhänge ebenso wie die Entwicklung verbindlicher Regeln für einen respektvollen Umgang. Diese Verantwortung liegt nicht nur bei der Geschäftsführung oder einzelnen Vertrauenspersonen, sondern betrifft die PMK als kollektive Struktur: Geschäftsführung, Vorstand, Beirat, Mitgliedsvereine, Veranstalter:innen, Mitarbeitende und ehrenamtlich Beteiligte.

Weiterbildung, Präventionsarbeit und Unlearning sind daher keine Zusatzaufgaben, sondern Ausdruck des Selbstverständnisses der PMK als lernender Struktur. Unlearning bedeutet dabei, eingeübte Routinen, Ausschlüsse und Machtverhältnisse nicht als selbstverständlich hinzunehmen, sondern sie gemeinsam zu erkennen, zu hinterfragen und zu verändern.

Sicherere Räume entstehen nicht von selbst, sondern durch klare Haltungen, transparente Prozesse, kontinuierliche Reflexion und die Bereitschaft, aus Fehlern Konsequenzen zu ziehen.

8. Selbstverständnis als Entscheidungsrahmen
Dieses Selbstverständnis dient als Orientierung nach innen und nach außen. Es erhebt den Anspruch, Maßstab für Entscheidungen, Kooperationen und zukünftige Entwicklungen zu sein. Es ersetzt keine Diskussionen, sondern strukturiert sie. Es ist kein statisches Dokument, sondern eine gemeinsame Referenz, die regelmäßig überprüft, weiterentwickelt und neu verhandelt werden muss.